• Schritt für Schritt verändert Riziki ihre Rolle in der Familie

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    Fotos von Terence Babb

     

    Meine Familie besteht aus 12 Personen: Meine Mutter, mein Vater und zehn Kinder. Ich bin 12 Jahre alt und die Jüngste in der Familie. Mein ältester Bruder Salum und meine zwei Schwestern sind bereits verheiratet und leben nicht mehr mit uns. Unter der Woche arbeitet die ganze Familie auf einer Farm, wo wir Mais und Bohnen anbauen. So verdienen wir unseren Lebensunterhalt. Ich habe eine besondere Rolle in der Familie. Ich bin ein Mädchen, also muss ich den Abwasch machen, das Haus putzen und Wasser holen. Meine Brüder müssen nur auf der Farm arbeiten. Es gibt Familien, in denen die Jungen die Mädchen unterstützten, aber bei uns ist das nicht so.

    Seit ich sieben Jahre alt bin, muss ich jeden Morgen Wasser holen. Ich habe Glück, zum nächsten Brunnen muss ich nur fünf Minuten laufen und das Wasser ist kostenlos. Ich hole fünf Mal einen Eimer mit 20 Litern Wasser. Wenn ich stolpere und das Wasser verschütte, muss ich noch einmal zurück und neues Wasser holen. Da ich stärker werde, passiert mir dies glücklicherweise nur noch selten. Es ist eine anstrengende Arbeit und ich mache sie nicht gerne.

    In der Schule lernen wir, dass Jungen und Mädchen einander respektieren und unterstützen sollen. Wir machen Spiele, die uns Chancengleichheit lehren. Mein Bruder ist 14 und besucht dieselbe Schule, aber er hilft mir kein bisschen. Die Jungen kopieren einfach das Verhalten, das sie von ihren Brüdern und Vätern kennen. Wenn ich meine Eltern frage, ob mein Bruder nicht helfen kann, sagen sie: „Nein, das ist Arbeit für Mädchen." Es ist falsch und unfair, dass ich alles machen muss, weil ich ein Mädchen bin.

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    Das macht mich traurig und bringt mich zum Weinen. Doch dann denke ich an die Fähigkeiten, die ich in der Schule gelernt habe. Ein anderes Spiel zeigt uns, wie wir Herausforderungen bewältigen und unsere Ziele erreichen können. Es ermutigt mich, mit meinen Eltern zu sprechen, wenn meine Brüder mich ungerecht behandeln. Ich kann ihnen erklären, wieso Jungen und Mädchen einander gegenseitig helfen sollten. Dann empfinde ich statt Traurigkeit Hoffnung. Denn ich weiss, dass meine Handlungen etwas bewirken.

    Ich gehe sehr gerne zur Schule und möchte später einmal Turnlehrerin werden. Von 100 Schülern in meiner Klasse gehöre ich zu den sechs Besten – zusammen mit vier anderen Mädchen. Ich bin auch stärker und kann schneller rennen als viele Jungen. Wenn ich gross bin, bringe ich meinen Kinder das bei, was ich gelernt habe: wie man sich gegenseitig unterstützten kann. Und wenn die Kinder Wasser holen müssen, dann machen das Jungen und Mädchen gemeinsam.

    Jungen und Mädchen sind gleich. Jungen können Wasser holen, genauso wie ich. 


    Weitere Links:

    Chancengleichheit bei Right To Play
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