• Rahma lässt sich nicht unterkriegen

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    Jeden Tag laufe ich frühmorgens zur Schule. Um sieben Uhr beginnt der Unterricht, und ich brauche zehn Minuten für den Weg. Wenn ich alleine zur Schule laufe, rufen mir die Leute hinterher: „Warum gehst du zur Schule?" - „Wozu das?" - „Du bist ein Mädchen!"

    Ich weiss nicht genau, wer das sagt, da sie sich verstecken. Aber ich kann sie hören. Es sind die Stimmen von Männern, Frauen und teilweise auch Kindern. Ihre Worte verletzen mich. Ich bin mir sicher, sie würden nicht kommen, wenn ich ein Junge wäre. Die Leute sagen, dass Jungen in der Schule viel lernen und ihr Wissen an die Gemeinschaft weitergeben. Ich glaube, Jungen und Mädchen sind gleichwertig. Ich versuche den gemeinen Worten keine Beachtung zu schenken, denn wenn ich das tue, erreiche ich meine Ziele nicht.

    Ich möchte zur Universität, damit ich Ärztin werden kann. Ich erzählte meinen Eltern von diesem Traum und sie waren einverstanden und ermutigten mich, weiterhin die Schule zu besuchen. Neulich habe ich mir auch überlegt, Zahnärztin zu werden. Meinen Eltern habe ich davon noch nichts gesagt, aber ich bin mir sicher, dass sie mich unterstützen werden.

    Meine Eltern arbeiten viel, damit ich und mein Bruder zur Schule gehen können. Ich habe fünf ältere Brüder und eine Schwester. Der Jüngste meiner Brüder besucht nun die Oberstufe. Meine Schwester ist bereits verheiratet. Ich weiss nicht, ob sie die Oberstufe abgeschlossen hat. Vier meiner Brüder spielen Fussball. Auch ich spiele Fussball und bin sehr gut in der Verteidigung. Mein Vater ist Fussballtrainer und meine Mutter verkauft jeden Morgen Snacks auf dem Markt.

    Manchmal haben wir zu wenig Geld, dann esse ich keine Frühstück oder Abendessen und bin hungrig. Trotzdem haben wir mehr als manche meiner Schulfreunde. Unser Haus hat drei Zimmer: Ein Schlafzimmer, ein Wohnzimmer und eine Küche. Ich schlafe mit meinem jüngsten Bruder im Wohnzimmer. Ich verstehe mich sehr gut mit meiner Mutter, und wenn ich nicht in der Schule bin, verbringe ich meine Zeit mit ihr. Am Abend überprüft mein Vater meine Hausaufgaben. Es gefällt mir wenn er das macht, da er dann meine Fortschritte sieht.

    Ich bin die beste Schülerin in meiner Klasse. In meinem Jahrgang sind 230 Kinder und mit meinen Noten gehöre ich zu den drei Besten. Wir sind zwei Mädchen und ein Junge. Ich bin auch eine der ältesten in meinem Jahrgang. Als ich sieben war, durfte ich noch nicht zur Schule, weil der Lehrer meinte, ich sei physisch zu klein. Daher besuchte ich noch ein weiteres Jahr den Kindergarten stattessen. Ich gehe gerne zur Schule! Mein Lehrer beginnt jede Stunde mit einem Spiel, um bereits Gelerntes zu repetieren. Momentan lernen wir Brüche und Dezimalzahlen. Die Spiele helfen mir auch, mich besser zu konzentrieren – vor allem wenn ich hungrig bin. Aufgeben werde ich nicht. Meine Eltern, Geschwister und Lehrer haben mir gelernt, hart zu arbeiten.

    Die Schule ist wichtig für mich. Sie ermöglicht mir, eine Ausbildung zu erhalten, während andere Kinder zu Hause bleiben müssen. Ich habe immer daran geglaubt, dass ich das Recht habe, die Schule zu besuchen. Wenn ich die Leute in der Strasse höre, fällt es mir manchmal schwer, mich daran zu erinnern. Am liebsten möchte ich ihnen sagen: „Stoppt endlich damit! Hört auf mit euren Sprüchen und geht zur Schule, damit ihr Ingenieure oder sonst etwas werden könnt. Kinder sind die Zukunft!"

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